Marlene in Paris

 Der zarte Hauch ihrer hoch sensiblen Seele steht aufrecht unter dem Kuppelbau der Bourse de Commerce in Paris. 1984 gibt sie ihr Debut zusammen mit Bildern von Karl Oppermann, Norbert Fritsch. Eine ganze Ausstellung steht dort auf improvisierten Staffeleien. Es ist der verregnetste und lausig-kälteste Oktober, den die Trottoirs je gesehen haben.


Welche Galerie ist verrückt nach drei Visionären aus Berlin, die in Bars und Bistros mit ihren handkolorierten Plakaten die grandiose Ausstellung „Trois Peintres de Berlin!“ bekannt geben. Bonsoir Monsieur! Merci Madame! mit Augenaufschlag geübt aber du Vin Rouge läßt sich auf der Zunge leichter zergehen, als die verdammt riesige Ausstellung in der alten Bourse zu bewerben..

Lautlos hinter verglasten Emporen wird gestikuliert, parliert. Telefondrähte laufen heiß, ebenso der caput mortuum angestrichene Pater, ein endloses Panorama von 1400 m² erschlägt mich, obwohl schon als Gigant getauft. Doch schreibt mein Nachname sich mit noch mit dem deutschen scharfen S, und mit doppel N, damit ist nach Fanny Newman´s Vorhersehung kein Blumenpott zu gewinnen. Die Nasen und Zahlen hängen in der Börse weit oben. Marlenes Hoffnung, entdeckt zu werden, strahlt trotz Dauerregen ins Astronomische! Nach sechs Wochen holt ein Transporter, der nur mit Zwischengas den Gang zu wechseln vermag, das deutsche Malertrio wieder zurück nach Berlin.


Mit verschränkten Armen hinter ihrem dunkelblonden Haar residiert Marlene heute in der Kunstmühle Veckenstedt am Harz, wo die Welt sich trifft! Auch die Bourse hat sich seit 1984 gemacht! Im Mai 2021 ist sie ein privates Kunst Museum geworden.

Chapeau!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert